35 Dinge, die ihr über Simone de Beauvoir noch nicht wusstet

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…oder vielleicht doch?

  1. Simone de Beauvoirs vollständiger Name lautete Simone-Lucie-Ernestine-Marie Bertrand de Beauvoir.
  2. Beauvoirs jüngere Schwester Hélène (1910-2001) war eine bekannte Malerin. Bei ihrer ersten Ausstellung schaute direkt Pablo Picasso vorbei.
  3. Enge Freunde nannten Beauvoir „Castor“ (Biber).
  4. Sie wollte schon als Kind Schriftstellerin werden, schlug aber zunächst die Lehrerinnen-Laufbahn ein.
  5. Beauvoir schrieb ihre Diplomarbeit über das Thema „Der Begriff bei Leibniz“.
  6. 1929 lernte Simone de Beauvoir Jean-Paul Sartre an der Uni kennen. Die Beziehung der beiden hielt bis zu seinem Tod 1980.2486252306_c43299d87f_o
  7. Bei der agrégation, der Prüfung für Gymnasiallehrer, wurde Beauvoir 1929 hinter Sartre Zweite (von 13 angenommenen Bewerbern). Sartre war im Vorjahr durchgefallen.
  8. Nach der Philosophin Simone Weil (1909-1943) war Beauvoir erst die zweite Frau in Frankreich, die die agrégation erfolgreich bestand.
  9. Beauvoir und Sartre definierten ihre Beziehung als „notwendige Liebe“, daneben waren aber auch „Zufallslieben“, also Affären erlaubt.
  10. Als Kind war Beauvoir sehr religiös, verlor mit 14 aber ihren christlichen Glauben.
  11. Sie verabscheute Käse.
  12. Sie rauchte zwar, inhalierte aber nicht sondern paffte nur vor sich hin – im Gegensatz zu Sartre.
  13. Ihren amerikanischen Liebhaber, den Schriftsteller Nelson Algren, nannte Beauvoir „Krokodil“. Er nannte sie „Frosch“. Die beiden waren von 1947 bis 1951 ein Paar. Nelson_Algren_NYWTS
  14. Françoise, eine der Hauptfiguren in Beauvoirs Debutroman Sie kam und blieb, ist nach ihrer Mutter benannt.
  15. 1941 hatte Beauvoir bei einer Fahrradtour mit Sartre in den Alpen einen Unfall: Sie wollte zwei entgegenkommenden Radfahrern ausweichen, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, kam ins Schleudern und landete auf der Straße. Sie verlor dabei einen Zahn und lief tagelang mit geschwollenem und zerkratztem Gesicht herum.
  16. 1944 veröffentlichte Beauvoir ihren ersten philosophischen Essay Pyrrhus und Cineas.
  17. Beauvoir hat nie selbst gekocht, sondern aß lieber in Cafés und Brasserien. Ausnahme: Die Zeit der deutschen Besetzung von Paris während des Zweiten Weltkriegs, als Nahrungsmittel knapp waren und es günstiger war, selbst zu kochen.
  18. Ihr berühmter Turban entstand aus der Not: Beauvoir begann ihn deshalb zu tragen, weil sie sich während des Krieges nicht regelmäßig die Haare waschen konnte.
  19. Beauvoir nutzte ihren Einfluss, um andere Autorinnen zu unterstützen, zum Beispiel die feministische Schriftstellerin Violette Leduc: Sie schrieb das Vorwort für deren Debütroman Die Bastardin
  20. 1954 erhielt Beauvoir für ihren Roman Die Mandarins von Paris den prestigeträchtigen Prix Goncourt – dieser ist symbolisch mit (heute) 10 Euro dotiert, hat aber großen Einfluss auf die Verkaufszahlen des jeweiligen Buches.
  21. Von den Goncourt-Erlösen kaufte Beauvoir sich ihre erste eigene Wohnung.
  22. Der einzige Mann, mit dem Beauvoir jemals eine Wohnung teilte, war der spätere Shoah-Regisseur Claude Lanzmann. Sie waren von 1952 bis 1958 ein Paar.
  23. Beauvoir hatte sexuelle Beziehungen mit verschiedenen Frauen – leugnete dies aber zu Lebzeiten stets.
  24. 1971 verfasste und unterschrieb Beauvoir das Manifest der 343, welches im Magazin Le Nouvel Observateur erschien: 343 Frauen gestanden „Ich habe abgetrieben“, darunter berühmte Namen wie Françoise Sagan, Jeanne Moreau und Catherine Deneuve. Die Petition warb für die Legalisierung der damals noch illegalen Abtreibung in Frankreich. Beauvoir selbst war nie schwanger und hat deshalb auch nie abgetrieben, wollte die Initiative aber unterstützen.
  25. Nach Sartres Tod 1980 adoptierte Beauvoir ihre enge Freundin, die Philosophielehrerin Sylvie Le Bon, und machte sie zu ihrer Nachlassverwalterin.
  26. Die Beziehung Beauvoirs und Sartres wurde 2006 als Der Liebespakt (Les amants du Flore) verfilmt.
  27. Beauvoir war eine enthusiastische, aber sehr schlechte Autofahrerin.
  28. Als ihr feministisches Grundlagenwerk Das andere Geschlecht 1949 erschien, setzte der Vatikan es auf den Index. 4948880984_1daa187b2d_b
  29. Zum Zeitpunkt des Erscheinens von Das andere Geschlecht bezeichnete Beauvoir sich selbst noch nicht als Feministin.
  30. Der Philosoph und Schriftsteller Albert Camus, zeitweise mit Beauvoir und Sartre befreundet, soll Das andere Geschlecht durch den Raum geschleudert und getobt haben: „Sie haben den französischen Mann lächerlich gemacht.“
  31. Beauvoir hatte zwei „Laster“: Schallplatten und Reisen.
  32. Beauvoir ruht neben Sartre auf dem Friedhof Montparnasse in Paris.
  33. Anlässlich von Simone de Beauvoirs 100. Geburtstag am 9. Januar 2008 druckte das Magazin Le Nouvel Observateur ein wenig bekanntes Nacktfoto von Beauvoir auf die Titelseite. Dieses zeigt sie in der Chicagoer Wohnung ihres ehemaligen Geliebten Nelson Algren. Um das Titelbild tobte in der Nouvel Observateur-Redaktion ein heftiger Streit.1199432468_beauvoir-nueJPG_0
  34. In Paris ist eine Seine-Brücke nach Beauvoir benannt: Die Passerelle Simone-de-Beauvoir verbindet das 12. mit dem 13. Arrondissement und wurde 2006 eingeweiht.
  35. Zum 106. Geburtstag Simone de Beauvoirs am 9. Januar 2014 widmete Google ihr eines seiner Doodles.

Bilder: CC BY-NC Flickr/kristine; CC BY NC-ND Flickr/Francis Mariani; CC BY Wikimedia; CC BY-ND Flickr/littletinyshoe

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2 Gedanken zu “35 Dinge, die ihr über Simone de Beauvoir noch nicht wusstet

  1. Kenne eigentlich nur ihre autobiographischen Schriften, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. So eine offene, authentische, humorvolle und manchmal auch liebevoll-klatschhafte Schreibweise… Und so wunderbar in die Zeit und das Denken der Zeit einzutauchen… Einige Infos waren aber auch neu für mich, so auch das Foto, dass ganz gut belegt wie fit sie doch gewesen ist… :o)

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