Der fleißige „Castor“: Wie Simone de Beauvoir zu ihrem Spitznamen kam

Biber

Die Philosophin hatte viel mit einem Tier gemeinsam.

Ich habe eine Menge Spitznamen und insbesondere die, die meine Schwester mir gegeben hat, sind zu peinlich, als dass sie Freunde und Bekannte erfahren dürften. Simone de Beauvoir allerdings hatte einen Spitznamen, den die ganze Welt kannte: Castor (französisch für Biber).

Zu verdanken hat Beauvoir diesen Namen ihrem ehemaligen Kommilitonen, love interest und gutem Freund René Maheu. Die beiden lernten sich während des Studiums an der Sorbonne kennen. In Memoiren einer Tochter aus gutem Haus erinnert sich Beauvoir:

In der ersten Zeit redete er mich betont mit „Mademoiselle“ an. Eines Tages schrieb er in großen Buchstaben auf mein Heft: BEAUVOIR = BEAVER. „Sie sind ein Biber“, sagte er. „Die Biber leben in Gemeinschaften und haben einen konstruktiven Geist.“

Und schon hatte Beauvoir ihren ersten und einzigen Spitznamen – auf Französisch heißt „Biber“ nämlich „Castor“. Ihrer Biografin Deirdre Bair erzählte Beauvoir:

„Du bist ein richtiger kleiner Biber“, sagte er (Maheu, Anm.) zu mir, „immer emsig am Arbeiten“, oder so ähnlich. Zuerst wusste ich nicht recht, ob ich es als Beleidigung auffassen sollte, aber mir gegenüber zeigte Maheu sich nie sarkastisch, und eigentlich gefiel mir die Idee, weil es etwas Persönliches war, das anfangs nur wir beide miteinander teilten.

Bald nannten auch die anderen Studenten sie „Castor“ – Beauvoir sollte den Spitznamen bis an ihr Lebensende behalten. Der Einzige, der sie in der Öffentlichkeit Simone nannte, war ihr amerikanischer Geliebter Nelson Algren.

Im September 1939 schrieb Beauvoir von unterwegs einen amüsierten Brief an Jean-Paul Sartre, der zum Kriegsdienst eingezogen worden war:

Nachts bin ich durch Angers gekommen, wo ich auf dem Rückweg hoffentlich haltmache […], und durch Nantes, wo ich an der Giebelseite eines Ladens diese Worte gesehen habe „Au Vrai Castor“ (Zum wahren Biber, Anm.); ich werde den Schwindler entlarven.

Beauvoir ist und bleibt nunmal der einzig wahre Castor.

Quellen: Bair, Deirdre (1990): Simone de Beauvoir. Eine Biografie, Knaus Verlag, München. / de Beauvoir, Simone (1998): Briefe an Sartre. Band 1: 1930-1939, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.

Bild: CC BY-NC Flickr/Elizabeth

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