Schreiben, aber wie? 10 Tipps von Simone de Beauvoir

Schreiben

Denn Schreiben will gelernt sein.

„Ich wollte einen Roman schreiben, das ist alles, und das war schon viel.“

(In den besten Jahren, 1969)

Kein Zweifel: Simone de Beauvoirs Werk ist beeindruckend. Essays, Artikel, Romane… Und viele davon gelten als Klassiker, so wie Das andere Geschlecht. Das Schreiben ist der Französin allerdings nicht immer leicht gefallen – es war etwas, das sie erst lernen musste. Auch der schriftstellerische Erfolg stellte sich nicht sofort ein: Eine Kurzgeschichten-Sammlung war von zwei Verlagen abgelehnt worden, bevor 1943 endlich Beauvoirs Debütroman Sie kam und blieb 1943 erschien.

Simone de Beauvoir ist der schriftstellerische Erfolg also nicht einfach zugeflogen. Im Gegenteil, er war harte Arbeit! Das Gute ist: Beauvoir hat Schreiben und Literatur immer wieder thematisiert – und ein paar nützliche Tipps hinterlassen

#1 Sei motiviert

Mein Verlangen zu schreiben reicht weit zurück. Ich schrieb Geschichten im Alter von acht, aber viele Kinder tun das. Es bedeutet nicht wirklich, dass sie eine Berufung zum Schreiben haben. Es mag sein, dass in meinem Fall die Berufung verstärkt wurde, weil ich den religiösen Glauben verloren hatte. Es ist auch wahr, dass ich, wenn ich Bücher las, die mich tief bewegten – so wie George Eliots Die Mühle am Floss – ich furchtbar gerne so sein wollte wie sie: Jemand, dessen Bücher gelesen würden, dessen Bücher Leser bewegen würden.

#2 Lass dich inspirieren

Die Literatur tritt in Erscheinung, wenn irgendetwas im Leben aus den Fugen gerät. [Es] gilt als erste Voraussetzung für das Schreiben, dass die Realität aufhört, selbstverständlich zu sein. Nur dann ist man in der Lage, sie zu sehen und sie zu zeigen.

#3 Mach deine eigenen Regeln…

„Jedes Gespräch muss Handlung sein, das heißt, es muss das Verhältnis der Personen zueinander und die Gesamtsituation ändern. Zudem muss während seines Ablaufs sich andernorts etwas Wichtiges begeben: Der Leser, dessen Aufmerksamkeit auf ein Ereignis gelenkt wird, von dem ihn ein Packen Druckseiten trennt, empfindet so wie die Romanfiguren den Widerstand und das Vergehen der Zeit.“

#4 …aber halte dich nicht sklavisch daran

Als ich zum Beispiel Die Mandarins schrieb, entwarf ich Charaktere und eine Atmosphäre rund um ein bestimmtes Thema, und Stück für Stück nahm die Handlung Gestalt an. Aber gewöhnlich beginne ich, einen Roman zu schreiben, lange bevor ich die Handlung ausgearbeitet habe.

#5 Nutze eigene Erfahrungen und Erlebnisse

Man sollte danach streben, zu erfinden, ohne zu fälschen.

#6 Mach es nicht komplizierter, als es ist

Wenn ich nach Namen gucke, benutze ich das Telefonbuch oder versuche, mich an Namen von ehemaligen Schülerinnen zu erinnern.

#7 Such dir Vorbilder

Von den Einflüssen, die auf mich gewirkt haben, ist der Hemingways […] am offensichtlichsten. Wichtig an seinen Erzählungen schien mir unter anderem der Verzicht auf sogenannte objektive Schilderungen: Landschaften, Szenerien, Dinge werden immer in der Sicht des Helden dargestellt, in der Perspektive der Handlung. […] Ich versuchte wie er [Hemingway], Ton und Rhythmus des gesprochenen Wortes zu imitieren, ohne Scheu vor Wiederholungen und Banalitäten.

#8 Zeig Haltung

Hemingway war genau die Art von Schriftsteller, welche sich niemals engagieren wollte. Ich weiß, dass er am spanischen Bürgerkrieg beteiligt war, aber als Journalist. Hemingway war niemals engagiert, und deshalb denkt er, dass in der Literatur nur ewig ist, was nicht überholt ist, nicht engagiert. Ich stimme dem nicht zu. Im Falle vieler Schriftsteller ist es auch ihre politische Haltung, die sie mich mögen oder ablehnen lässt.

#9 Hab Geduld

Wenn nicht ungewöhnliches Glück im Spiel war, forderte das Unternehmen, aus dem Nichts und aus sich selbst ein erstes, einigermaßen geglücktes Buch hervorzubringen, endlose Versuche und Irrwege, viel Arbeit und lange Zeit – das wusste ich. Schreiben, sagte ich mir, ist ein Metier, das man durch Schreiben lernt.

#10 Bleib dran

Wenn die Arbeit gut läuft, verbringe ich eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde damit, zu lesen, was ich am Vortag geschrieben habe, und mache ein paar Korrekturen. Dann mache ich von da an weiter. Um den Faden wieder aufzunehmen, muss ich lesen, was ich gemacht habe.

Letztendlich bringt all das aber nichts, wenn man vom Schreiben immer nur spricht und es nie tut:

In der Zeit meines Heranwachsens und meiner frühen Jugend war meine Berufung ehrlich, aber leer gewesen. Ich beschränkte mich darauf zu erklären: „Ich will Schriftstellerin werden.“ Jetzt handelte es sich darum, herauszufinden, was ich schreiben wollte und wie weit ich dazu in der Lage wäre: Es musste geschrieben werden.

Der beste Tipp ist also der: Hinsetzen und mit dem Schreiben anfangen.

Quellen: Simone de Beauvoir (1969): In den besten Jahren (S. 287-310), Rowohlt / Madeleine Gobeil (1965): Simone de Beauvoir, The Art of Fiction No. 35, The Paris Review.

Bild: CC BY Flickr/Matthias Ripp

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