Turban-Mode: Greasy hair, don’t care

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Warum Simone de Beauvoir begann, einen Turban zu tragen.

Marilyn Monroe hatte ihr platinblondes Haar, Susan Sontag ihre weiße Strähne – und Simone de Beauvoir ihren Turban. Natürlich wurde Beauvoir nicht mit dem Turban geboren: Sie begann erst mit Anfang 30, ihn zu tragen, im eisig kalten Winter 1939/1940.

Warmes Wasser und Seife – Fehlanzeige

Anfangs war der Turban für Beauvoir kein modisches Accessoire, sondern pure Notwendigkeit: Es herrschte Krieg, Luxusmittel wie Seife waren in Paris knapp, warmes Wasser gab es nicht. Das bedeutet konkret: Viele Frauen hatten keine Möglichkeit, sich regelmäßig ihre Haare zu waschen. Und wie könnte man einen Bad Hair Day besser kaschieren als mit Kopftüchern? Auch Simone de Beauvoir begann, sich ein Tuch um den Kopf zu wickeln. Jean-Paul Sartre und ihr Liebhaber Jacques-Laurent Bost waren zum Kriegsdienst eingezogen worden und so schickte Beauvoir Bost ein Foto von sich mit dem neuen Accessoire. Bost schrieb zurück, er hätte einen Blick darauf geworfen und Tränen gelacht: „Du siehst aus wie eine Lesbierin, eine Kokainsüchtige und auch wie ein Fakir.“

FakirSimone

Wie reizend. Beauvoir war kleidungstechnisch sowieso schon frustriert und konnte hämische Worte von Bost gar nicht gebrauchen. In Paris war es klirrend kalt und wie viele andere Pariserinnen kleidete Beauvoir sich in mehrere Schichten. Zum Unterrichten musste sie Röcke tragen, ansonsten lief sie aber in Hosen und Holzschuhen herum. In ihren Memoiren schrieb Beauvoir später:

Wegen der Stromsperren arbeiteten die Friseure unregelmäßig; eine Wasserwelle wurde zur Staatsaffäre; deshalb kamen auch die Turbane in Mode, sie ersetzten Hut und Frisur. Ich hatte sie schon ab und zu getragen, weil sie bequem waren und mir standen; jetzt bekehrte ich mich endgültig zu ihnen.“

Fettige Haare, adé

Tatsächlich wurden die Turbane für Beauvoir schnell mehr als nur ein Mittel, um ihre fettigen Haare zu verstecken: Sie entdeckte sie als stylisches Accessoire für sich, fühlte sich mit ihnen hübsch. In Beauvoirs Kriegstagebuch finden sich zahlreiche Einträge zum Thema Turban:

Friseur, Stoffkauf für Turban.

Ich trage Sartres schönes weißes Gewand mit einem violetten Schal und dem violetten Turban, sehr schön.

Wir haben uns sorgfältig angezogen. Védrine (Bianca Bienenfeld, Anm.) trägt ihr schönes rotes Kleid, und ich habe eine malvenfarbige Bluse und einen malvenfarbigen Turban an.

Der Turban bot Simone de Beauvoir also während des Krieges eine Möglichkeit, sich zumindest ein bisschen schön zu machen, wenn die Kleiderpunkte schon nicht für eine neue Garderobe reichten. Greasy hair, don’t care. Fakire waren vermutlich nicht so modisch.

Quellen: Bair, Deirdre (1990): Simone de Beauvoir. Eine Biographie, Goldmann / de Beauvoir, Simone (1994): Kriegstagebuch, Rowohlt / de Beauvoir, Simone (2004): In den besten Jahren, Rowohlt / Rowley, Hazel (2007): Leben und Lieben von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Parthas

Bild: CC BY-NC-ND Flickr/Virginia Dan

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