Interview mit Radio Néo

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Für diejenigen, die Französisch sprechen und/oder verstehen: Ein kleines Interview mit Radio Néo über meinen French Crush Simone de Beauvoir. Die Sendung kann hier angehört werden.

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Paris, je t’aime: Städtetrip mit Simone de Beauvoir #4

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(c) Julia Korbik

Paris: die Stadt der Liebe… und die Stadt der Simone de Beauvoir. Heute: das erste eigene Zimmer.

Was: Erstes eigenes Zimmer

Wo: Avenue Denfert-Rochereau Nr. 91

1929, mit 21 Jahren, verließ die Studentin Simone de Beauvoir ihr Elternhaus auf der Rue de Rennes. Dort hatte sie zehn Jahre gelebt und sich ein Zimmer mit ihrer Schwester Hélène geteilt. Seit 1925 studierte Beauvoir Philologie am Institut Sainte-Marie im Pariser Vorort Neuilly, sowie Mathematik am Institut Catholique. 1926 wechselte sie dann zum Philosophie-Studium an die Sorbonne. Die Enge der elterlichen Wohnung fühlte sich für Beauvoir wie ein „Gefängnis“ an – etwas Eigenes musste her. Also zog Beauvoir in ein Zimmer im Haus ihrer Großmutter (der sie wie eine ganz normale Mieterin Miete zahlte). Für ihre stets übervorsichtige und aufdringliche Mutter war das die einzig akzeptable Lösung. Beauvoirs Großmutter respektierte die Privatsphäre ihrer Enkelin und mischte sich nicht in deren Leben ein: Keine neugierige Mutter mehr, die Briefe an ihre Töchter abfing und las, die in ihrem Zimmer herumschnüffelte! Die junge Simone fühlte sich endlich frei und jubelte in ihrem Tagebuch:

Hier ist mein Zimmer mit dem Gemälde von Michelangelo, das Lama (ihr Freund René Maheu, Anm.) mir gegeben hat, die Blumen von Stépha (eine Freundin, Anm.) und die Zeichnungen von meinen Freunden. Hier sind meine Kleider, meine Zigaretten, mein Gesicht. Alles davon habe ich selbst ausgewählt, alles habe ich selbst ausgesucht. Hier bin ich mir plötzlich bewusst darüber, frei und jung und eine Frau zu sein.

Simone de Beauvoir: Linktipps

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CC BY Flickr/Mike Licht

Eine kleine, aber feine Leseliste.

A six-day walk through the Alps, inspired by Simone de Beauvoir (Emily Witt, New York Times)

Simone war schon immer eine Naturfreundin, während ihres Aufenthalts als Lehrerin in Marseille 1931/1932 entdeckte sie dann das Wandern für sich: An ihren freien Tagen brach sie schon im Morgengrauen auf, um durch stundenlanges Laufen die Umgebung zu erkunden. Emily Witt begibt sich in der New York Times auf Simones Spuren.

Think big, be free, have sex… 10 reasons to be an existentialist (Sarah Bakewell, The Guardian)

Sarah Bakewells Buch Das Café der Existentialisten war ein Überraschungserfolg. Im Guardian erklärt sie unterhaltsam, was der Existentialismus eigentlich ist und was ihn so attraktiv macht.

Most existentialists were in favour of getting out into the world and making a difference, rather than being authentic all by themselves in a room. Sartre and De Beauvoir made a point of being “engaged” or “committed” in their political lives.

The 9 people you’ll date, according to Simone de Beauvoir (Colton Valentine, HuffPost)

In ihrem philosophischen Essay Für eine Moral der Doppelsinnigkeit beschreibt Simone einige allgemeine Reaktionen, die Menschen auf den Verlust ihrer Kindheit haben. Colton Valentine nutzt diese Charakterisierungen, um über Dating im 21. Jahrhundert zu sprechen.

Simone de Beauvoir’s political philosophy resonates today (Skye Cleary, Aeon)

We tell ourselves that our vote won’t make any difference, instead of actively shaping the world in which we want to live. We point fingers at Facebook for facilitating fake news, instead of critically assessing what we’re reading and reposting. It’s not just lazy to push away responsibility in such ways, but it’s what de Beauvoir called a ‘moral fault’.

Alle anderen: Simone de Beauvoir über Alberto Giacometti, Marilyn Monroe und Charlie Chaplin

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CC BY-ND Flickr/Tekke

Simone kannte sie alle, vom „weißen Champignon“ Truman Capote bis hin zu Colettes „Katzengesicht“.

Ach, Paris. Dort tummelt sich in den 1940er und 1950er Jahren alles, was in Kunst und Kultur einen Namen hat. Besonders in Saint-Germain-des-Prés ist die Promi-Dichte hoch. Simone kennt viele der alteingesessenen und aufstrebenden Stars persönlich, trifft sie auf ein Glas im Deux Magots oder Café de Flore. Selbstverständlich hat sie zu allen eine Meinung und teilt diese ihrem amerikanischen Liebhaber Nelson Algren in zahlreichen Briefen mit. Der kriegt so einen guten Eindruck vom Leben der Pariser Bohème – und von Simones Gedanken zu Berühmtheiten wie Marilyn Monroe oder Franz Kafka (in den, so scheint es, Simone zumindest ein kleines bisschen verknallt war).

Violette Leduc (Schriftstellerin, 1907-1972): „Ich hege eine Art Bewunderung für sie und viel Sympathie; wenn ich in Paris bin, treffe ich sie etwa einmal im Monat, mir liegt nicht viel an ihr, und sie weiß es. Seltsam ist, dass sie sehr frei über ihre Liebe zu mir sprechen und diskutieren kann, als ob es sich um eine Krankheit handle. […] Und nach dem Abendessen gehen wir in eine Bar, und sie wird sehr pathetisch und ich fühle mich scheußlich, und dann verabschiede ich mich und sie geht weg, weinend, ich weiß es, und schlägt ihren Kopf gegen die Wände und denkt an Selbstmord. Sie weigert sich, mit irgend jemandem befreundet zu sein außer mir.“[1]

Boris Vian (Schriftsteller, Jazztrompeter, Schauspieler und Chansonnier, 1920-1959): „Ich mag vor allem den jungen Trompeter, ein interessanter Typ, von Beruf Ingenieur (für den Lebensunterhalt), aber auch ein sehr guter Schriftsteller und ein leidenschaftlicher Trompeter, obwohl er eine Herzkrankheit hat und sterben kann, wenn er zuviel spielt.“[2]

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Édith Piaf (cc Wikipedia)

Édith Piaf (Sängerin, 1915-1963): „Edith Piaf ist manchmal kitschig, aber sie kann wunderbar sein, ihre rauhe Stimme gefällt mir mehr als manche ‚schöne‘ Stimme.“[3]

André Gide (Schriftsteller, 1869-1951): „[…] er war die führende Gestalt vergangener Zeiten, ein sehr kluger Mann, mit witzigen Seiten, der für Freiheit und Päderastie kämpfte. Jetzt ist er ein alter Mann, mit Brille und einem runden weichen Hut, er brachte mich zum Lachen, weil er so freundliche war und zugleich so besorgt, sich nicht länger als drei Minuten mit jemandem einzulassen: es ermüdet ihn, er ist alt.“[4]

Truman Capote (Schriftsteller, 1924-1984): „Ich war bei Ellen Wright und habe dort diese lächerliche Figur getroffen, die Truman Capote heißt. Mit seinem weiten weißen Pullover und seinen blauen Samthosen sieht er aus wie ein weißer Champignon.“[5]

Charlie Chaplin (Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Komponist, 1889-1977): „Alle waren von Chaplin entzückt. Er erklärte, er werde in Anbetracht der Tatsache, dass Eisenhower gewählt worden sei, nicht in die Vereinigten Staaten zurückkehren; er erzählte eine Unmenge Geschichten, war so gut aufgelegt, freundlich und angenehm, dass sogar Sartre von ihm eingenommen war – und das will was heißen. Picasso war die ganze Zeit über wütend, denn er ist es gewohnt, überall die erste Geige zu spielen, diesmal jedoch zählte er nicht, da sich alle nur für Chaplin interessierten. Alle haben viel getrunken. Oona, Chaplins Frau, sagte kein Wort, anscheinend ist das immer so.“[6]

William Faulkner (Schriftsteller, 1897-1962): „[…] er war in Paris, vielleicht ist er immer noch da, ich sah ihn mit Leuten, die ich sehr gut kenne, in einem Restaurant, aber mir lag nichts daran, mit ihm zu sprechen; vor ein paar Jahren wäre das anders gewesen, doch jetzt mag ich ihn nicht mehr besonders. Er sah sehr alt aus, ganz ergraut, er trinkt furchtbar, sagen seine Freunde.“[7]

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Marilyn Monroe (cc BY-NC-SA Flickr/Ultra Swank)

Marilyn Monroe (Schauspielerin, 1926-1962): „Weniger bedeutend, doch ein schöner Film: River without return, mit Mitchum und Marilyn Monroe, ein klassischer Hollywood-Film, doch sie ist wirklich reizend; ich hatte sie nie gesehen, und da ich wusste, dass sie so sexy ist, stellte ich sie mir als eine Art Zsa Zsa Gabor vor, doch sie ist eine gute Schauspielerin und eine angenehme Frau.“[8]

Franz Kafka (Schriftsteller, 1883-1924): „Ich lese gerade das Tagebuch von Kafka, einem wirklich anziehenden, fesselnden Mann. Niemand ist mir so sympathisch, ich meine, scheint mir so vollkommen liebenswert, außer van Gogh.“[9]

Albert Camus (Schriftsteller, Journalist und Dramaturg, 1913-1960): „Jedesmal, wenn wir ihn sehen, ist er mit einer neuen Frau zusammen (obwohl er Frau und Kinder hat).“[10]

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Colette (cc Wikipedia)

Colette (Schriftstellerin und Variétékünstlerin, 1873-1954): „[…] sie ist die einzig wirklich große Schriftstellerin in Frankreich, wirklich eine große Schriftstellerin. Sie war einst eine wunderschöne Frau, tanzte in Music-Halls, schlief mit einer Menge Männern, schrieb pornographische Romane und dann gute Romane. Sie liebte die Natur, die Blumen, die Tiere und die Liebe und auch das allerkultivierteste Leben; sie schlief auch mit Frauen. Sie mochte gutes Essen und guten Wein, kurz alle guten Dinge des Lebens, und erzählte wunderbar davon. Jetzt ist sie 75 Jahre alt und hat immer noch die faszinierendsten Augen und ein reizendes dreieckiges Katzengesicht; sie ist sehr fett, behindert, ein bisschen taub, aber sie erzählt und lächelt und lacht so, dass niemand auf den Gedanken käme, eine jüngere, schönere Frau anzuschauen.“[11]

Alberto Giacometti (Bildhauer und Maler, 1901-1966): „Er lebt ziemlich ärmlich und trägt schmutzige Kleider; er scheint Schmutz zu mögen: ein Bad zu nehmen ist ein Problem für ihn. […] Er arbeitet 15 Stunden am Tag, vor allem nachts, und immer, wenn man ihn sieht, hat er Gips an den Kleidern, den Händen und in seiner üppigen schmutzigen Mähne […].“[12]

Rita Hayworth (Schauspielerin, 1918-1987): „Danach gab es einen Empfang; man hätte etwas Glanzvolles erwartet, wo doch Sartre so brillant und Rita Hayworth so schön ist. Aber es war wirklich komisch (gewissermaßen): ich habe noch nie ein so langweiliges Abendessen erlebt. […] ich saß Rita Hayworth gegenüber, versuchte, mit ihr zu sprechen und betrachtete ihre schönen Schultern und Brüste, die mehr als einen Mann verrückt gemacht hätten, für mich aber so nutzlos waren. Sie war sehr angeödet, Sartre war sehr angeödet, alle waren angeödet.“[13]

Jean Genet (Schriftsteller und Dramatiker, 1910-1986): „Als ich zu den Deux Magots zurückkam, traf ich Jean Genet, den Einbrecher-Päderasten, er war sehr nett und witzig […].“[14]

Maurice Merleau-Ponty (Philosoph, 1908-1961): „Er ist ein sehr alter Freund, der älteste, den ich habe, ich kenne ihn seit zwanzig Jahren, er arbeitet hart mit uns an den T.M. (die von Sartre gegründete Zeitschrift Les Temps Modernes, Anm.), im Rundfunk usw. Persönlich mag ich ihn nicht so sehr […].“[15]

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Marcel Mouloudji (cc Wikipedia)

Marcel Mouloudji (Sänger und Schauspieler, 1922-1994): „Er hasst es aber, wenn sich Leute über ihn lustig machen, hauptsächlich in eleganten, snobistischen Lokalen. Einmal hat sich eine schöne, schön gekleidete Frau, die von einer Menge Bewunderern umgeben war, über ihn lustig gemacht und, während er sang, Papierbällchen nach ihm geworfen. Er konnte nichts tun, stand wie verloren im Bühnenlicht, halb blind, schwitzend und sehr unglücklich. Aber im großen und ganzen ist er zufrieden, er lernt eine Menge durch diese Erfahrungen.“[16]

Orson Welles (Schauspieler, Regisseur und Autor, 1915-1985): „Es war die Rede davon, dass Orson Welles den Senator spielen würde (in der Verfilmung von Sartres Stück Die respektvolle Dirne, Anm.), aber er war nur unter der Bedingung einverstanden, dass eine weitere Szene eingefügt wurde […]. Er verlangte auch eine kleine Vorrede […]. Orson Welles kam also für den Film nicht in Frage. Was für eine dumme, eingebildete, widerliche Person er ist!“[17]

Richard Wright (Schriftsteller, 1908-1960): „Er war wirklich nett; wenn er will, hat er Humor.“[18]

[1] Simone de Beauvoir (1999): Eine transatlantische Liebe. Briefe an Nelson Algren 1947-1964, Rowohlt, S. 36.

[2] Ebd., S. 39.

[3] Ebd., S. 173.

[4] Ebd., S. 333.

[5] Ebd., S. 433.

[6] Ebd., S. 717.

[7] Ebd., S. 749.

[8] Ebd., S. 766.

[9] Ebd., S. 776.

[10] Ebd., S. 207.

[11] Ebd., S. 261.

[12] Ebd., S. 137.

[13] Ebd., S. 72.

[14] Ebd., S. 101.

[15] Ebd., S. 170.

[16] Ebd., S. 635.

[17] Ebd., S. 702f.

[18] Ebd., S. 116.

Paris, je t’aime: Städtetrip mit Simone de Beauvoir #3

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CC BY Flickr/Cristian Bortes

Paris: die Stadt der Liebe… und die Stadt der Simone de Beauvoir. Heute: der Jardin du Luxembourg.

Was: Jardin du Luxembourg

Wo: 6. Arrondissement (Quartier Latin)

Paris bietet eine Vielzahl an Parks und Grünflächen – der Jardin du Luxembourg aber war Simone de Beauvoirs Lieblingspark. Hier war sie schon als kleines Mädchen mit ihrer Schwester Hélène und dem Kindermädchen unterwegs. Den Park sah sie als einzigen großen Spielplatz, trotz der zahlreichen Verbotsschilder. Als junge Frau nutzte Beauvoir den Park besonders gerne zum Lesen: Während ihrer Abiturvorbereitungen schleppte sie die Schulbücher in den englischen Teil des Parks, in die Nähe des Medicibrunnen. Natürlich nur, wenn das Wetter es erlaubte. In ihren Memoiren erinnert Beauvoir sich:

Mit meinem Matrosenhut auf dem Kopf glaubte ich auszusehen wie ein erwachsenes junges Mädchen. Ich las Faguet, Brunetière, Jules Lemaître, ich atmete den Duft des Rasens ein und fühlte mich so frei wie die Studenten, die lässig durch den Garten bummelten. Ich verließ die Umzäunung und strich unter den Arkaden des Odéons umher.

Als Studentin verabredete Beauvoir sich mit ihrem Kommilitonen und Freund Maurice Merleau-Ponty im Park; die beiden schlenderten über die Wege, redeten und diskutierten. Später löste Jean-Paul Sartre Merleau-Ponty ab – auf einer Bank im Jardin du Luxembourg besiegelten Beauvoir und Sartre 1929 ihren „Pakt“.

Briefe an Simone de Beauvoir: Die schönsten Liebesbekundungen von Jean-Paul Sartre

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Simone de Beauvoir hatte sie drauf, die Kunst der schriftlichen Liebesschwüre. Aber ihr Partner Jean-Paul Sartre war darin auch nicht schlecht.

Ja, Jean-Paul Sartre war ein richtiger Frauenheld. Seine Beziehung zu Simone de Beauvoir bestand zwar ein halbes Jahrhundert – ansonsten umgab der Philosoph sich allerdings gerne mit allerlei „Zufallslieben“. Die schönsten Liebesbekundungen waren aber für Beauvoir reserviert, wie seine Briefe zeigen.

  1. „Ich liebe Sie zärtlich, mon amour. Sie hatten gestern ein bezauberndes kleines Gesicht, als sie sagten: ‚Ach, Sie hatten mich angeschaut, Sie hatten mich angeschaut‘, und wenn ich daran denke, zerspringt mein Herz vor Zärtlichkeit.“
  1. „Meine kleine morganatische Ehefrau.“ („morganatisch“ bedeutet für Sartre und Beauvoir so viel wie „ungesetzlich“ – sie tauften ihre Beziehung 1929 „morganatische Ehe, Anm.)
  1. „Hier ein paar zärtliche Worte, einfach so und nur, um Ihnen zu sagen, dass ich Sie von ganzem Herzen liebe.“
  1. Mon cher amour, Sie können nicht wissen, wie ich jede Stunde des Tages an Sie denke, die ganze Welt hier ist erfüllt von Ihnen. Manchmal fehlen Sie mir, und ich habe ein wenig Kummer (ein ganz, ganz klein wenig), andere Male bin ich glücklich zu denken, dass der Castor existiert und sich Maronen kauft und spazierengeht; nie verlässt mich der Gedanke an Sie, und ich führe im Geist kleine Gespräche mit Ihnen.“ (Castor, also Biber, war Beauvoirs Spitzname, Anm.)
  1. „Ich küsse Sie auf Ihre beiden mageren Wangen, mon amour.“
  1. „Mein süßer Castor, ich liebe Sie sehr ängstlich und sehr heftig.“
  1. „Ich liebe Sie, mein süßer kleiner Castor, ich habe sehr große Lust, Sie wiederzusehen, Ihren kleinen Arm zu nehmen und mit Ihnen zusammen spazierenzugehen. Ich küsse Sie ganz leidenschaftlich.“
  1. „Ich möchte bei Ihnen sein, mon amour, Sie allein können mir das Gefühl geben, in einer neuen Gegenwart zu leben, o Zauber meines Herzens und meiner Augen, Stütze meines Lebens, mein Gewissen und meine Vernunft. Ich liebe Sie ganz leidenschaftlich, und ich brauche Sie.“
  1. „Sie sind meine Zuflucht und ich brauche Sie sehr.“
  1. „Ich habe so große Lust, Nachrichten von Ihnen zu bekommen, dass ich sogar Beschreibungen von Fußwanderungen in der schönen Natur gierig lesen werde.“
  1. „Und dann müssen Sie wissen, dass ich ungeheuer froh bin, dass Sie existieren. Sie sind für mich beständiger als Paris, das zerstört werden kann, beständiger als alles: Sie sind mein ganzes Leben, das ich bei meiner Rückkehr wiederfinden werde.“
  1. „Ich kann nicht getrennt von Ihnen sein, denn Sie sind so etwas wie die Konsistenz meiner Person.“
  1. „Sie sind mein ganzes Leben.“
  1. „Man kann nicht – nicht einmal Sie – mehr an jemandem hängen, als ich an Ihnen hänge.“
  1. „Sie sind eine ganz warme kleine Präsenz, ganz nahe bei mir.“

Foto: CC BY Flickr/Blandine le Cain

Paris, je t’aime: Städtetrip mit Simone de Beauvoir #2

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Dort, wo Beauvoir zur Schule ging, ist heute nur noch ein Buchgeschäft. (c) Julia Korbik

Paris: die Stadt der Liebe… und die Stadt der Simone de Beauvoir. Heute: Die Schule Cours Désir.

Was: Privatschule Cours Désir

Wo: Rue Jacob 6

Mit fünfeinhalb Jahren wurde Simone de Beauvoir 1913 in die Privatschule Cours Désir geschickt. Hier wurden Töchter aus gutem Hause auf ihr Leben als Ehe- und Hausfrauen vorbereitet, die Erziehung war streng katholisch.

Das désir im Namen pflegte das Lehrpersonal desir („dösir“) auszusprechen – schließlich bedeutet désir soviel wie Begehren, und das ist so gar nicht christlich-keusch. Also versuchte man, den anrüchigen Begriff durch eine andere (falsche) Aussprache zu entschärfen. Benannt war die Schule nach Adeline Désir, die sie 1853 gründete.

Simone de Beauvoir freute sich auf den Schulbesuch und das damit verbundene Lernen – aber je älter sie wurde, desto weniger begeistert war sie vom Unterricht am Cours Désir. Beauvoir hatte mitbekommen, wie ihr Cousin Jacques über seine Ausbildung am Collège Stanislas sprach und spürte, dass den Jungen sehr viel mehr und vor allem sehr viel Wichtigeres beigebracht wurde. Ihre Lehrerinnen sah sie nur noch als „lächerliche Betschwestern“. Also nahm Beauvoir es zusammen mit ihrer besten Freundin Zaza selbst in die Hand, ihren Horizont zu erweitern: Sie lasen, diskutierten und entwickelten eigene Standpunkte.