Oh, Simone – das Buch

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Hier auf dem Blog ist es in letzter Zeit etwas still geworden. Das hat aber einen guten Grund: Im Dezember erscheint im Rowohlt Verlag mein Buch Oh, Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten. Ein ganzes Buch über Simone de Beauvoir! Von mir geschrieben! Oh, Simone will (wie der Blog auch) Lust machen darauf, diese außergewöhnliche Schriftstellerin, Philosophin und Feministin selber zu entdecken – und sich an der ein oder anderen Stelle vielleicht sogar von ihr inspirieren zu lassen. Oder, wie es in der Verlagsankündigung steht:

Simone de Beauvoir – eine schillernde Persönlichkeit, die ihr Leben konsequent nach eigenem Gusto lebte und schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts emanzipiert für ihre Freiheit kämpfte. Doch heute kennen viele junge Menschen kaum mehr ihren Namen. Dabei hat Beauvoir vor allem jüngeren Leserinnen noch eine Menge zu sagen – sie ist ein Vorbild und zeigt: Es lohnt sich, kritisch zu denken und das zu tun, wofür man brennt. Julia Korbik will mit ihrem erfrischenden Buch erreichen, dass Beauvoirs Werk und seine Vielfalt und Qualität ausreichend gewürdigt werden.

Auf Amazon kann man das Buch übrigens schon vorbestellen.

Literatur-Schnellcheck: Alle Menschen sind sterblich (1946)

Literatur-Schnellcheck

Was würde passieren, wenn wir unsterblich wären? Dieser Frage geht Simone de Beauvoir in ihrem dritten Roman nach.

Worum es geht

Fosca, ein italienischer Adeliger, ist dank eines Zaubertranks unsterblich. Im Paris der 1930er Jahre lernt der lebensmüde Fosca die Schauspielerin Régine kennen, die sein Herz erobern will, um so selbst einzigartig und auf eine gewisse Art unsterblich zu werden. Fosca erzählt ihr von den Abenteuern, die er in den letzten 600 Jahren erlebt hat: Er hat Kriege geführt und wurde bekriegt, hat Macht gewonnen und sie wieder verloren, hat sich verliebt und ist doch nie glücklich geworden.

Worum es wirklich geht

Darum, dass das Leben durch Unsterblichkeit sinnlos wird. Der Philosoph Martin Heidegger glaubte, alles Seiende, die menschliche Existenz, sei immer Sein zum Tode. Erst der Tod verleiht dem Leben einen Sinn. Allerdings verursacht die Aussicht, eines Tage zu sterben, natürlich auch Angst – diese Angst prägt die menschliche Existenz. Beauvoirs Existentialismus hingegen ist lebensbejahender: Das Sein erhält durch die Aussicht, sterben zu können, einen Sinn – aber es ist trotzdem nicht Sein zum Tode. Beauvoir geht stattdessen davon aus, dass die menschliche Existenz von Entwürfen bestimmt wird: Jeder Entwurf ist ein neuer Ausgangspunkt, mit dem der Mensch sich immer wieder aufs Neue in die Zukunft, und nicht auf den Tod hin, entwirft.

Was das Buch lesenswert macht

Die bunten und schillernden Beschreibungen europäischer Geschichte: Vom norditalienischen Carmona im 13. Jahrhundert geht es an den Hof von Kaiser Karl V. und ins Frankreich der Julirevolution von 1830. Trotzdem: Alle Menschen sind sterblich ist nicht unbedingt Simone de Beauvoirs bestes Buch. Teilweise sehr langatmig und detailversessen liest es sich eher wie ein Geschichtsbuch als ein Roman.

Insiderwissen

Bei der Kritik kam Alle Menschen sind sterblich nicht besonders gut an – es wurde verrissen. Beauvoir schreibt in ihren Memoiren: „In den Jahren 1943 und 1944 war ich mit dem Begriff der Geschichtlichkeit vertraut gemacht worden, und nun wollte ich von diesem Begriff ausgehen. Mein Held, den Reichtum und Ruhm nicht zufriedenstellen können, fordert Einfluss auf den Lauf der Welt. Ich verfiel auf den Gedanken, ihm die Unsterblichkeit zu verleihen. Dann würde sein Scheitern umso schrecklicher sein.“

Zum Zitieren

‘Es ist ein furchtbarer Fluch’, sagte er. Er blickte auf sie hin: ‚Ich lebe und habe kein Leben. Ich werde niemals sterben und habe doch keine Zukunft. Ich bin niemand. Ich habe keine Geschichte und habe kein Gesicht.‘

Paris, je t’aime: Städtetrip mit Simone de Beauvoir #3

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CC BY Flickr/Cristian Bortes

Paris: die Stadt der Liebe… und die Stadt der Simone de Beauvoir. Heute: der Jardin du Luxembourg.

Was: Jardin du Luxembourg

Wo: 6. Arrondissement (Quartier Latin)

Paris bietet eine Vielzahl an Parks und Grünflächen – der Jardin du Luxembourg aber war Simone de Beauvoirs Lieblingspark. Hier war sie schon als kleines Mädchen mit ihrer Schwester Hélène und dem Kindermädchen unterwegs. Den Park sah sie als einzigen großen Spielplatz, trotz der zahlreichen Verbotsschilder. Als junge Frau nutzte Beauvoir den Park besonders gerne zum Lesen: Während ihrer Abiturvorbereitungen schleppte sie die Schulbücher in den englischen Teil des Parks, in die Nähe des Medicibrunnen. Natürlich nur, wenn das Wetter es erlaubte. In ihren Memoiren erinnert Beauvoir sich:

Mit meinem Matrosenhut auf dem Kopf glaubte ich auszusehen wie ein erwachsenes junges Mädchen. Ich las Faguet, Brunetière, Jules Lemaître, ich atmete den Duft des Rasens ein und fühlte mich so frei wie die Studenten, die lässig durch den Garten bummelten. Ich verließ die Umzäunung und strich unter den Arkaden des Odéons umher.

Als Studentin verabredete Beauvoir sich mit ihrem Kommilitonen und Freund Maurice Merleau-Ponty im Park; die beiden schlenderten über die Wege, redeten und diskutierten. Später löste Jean-Paul Sartre Merleau-Ponty ab – auf einer Bank im Jardin du Luxembourg besiegelten Beauvoir und Sartre 1929 ihren „Pakt“.